DER CLUB DEI VENTI-TRE
|
Der berühmte Schrifsteller Manzoni, der mit Giovannino Guareschi im "Bertoldo" zusammen arbeitete, sagte einmal, er würde ja bloß für ungefähr 24 Leser schreiben. Guareschi griff diese Äußerung auf und konterte humorvoll: Wenn der Manzoni 24 Leser habe, dann habe er, der Guareschi, immerhin 23. Und für diese 23 Leser schreibe er seine Geschichten. Nun, Guareschi hatte und hat weit mehr als 23 Leser. Vermutlich hat er mehr als 23 Millionen Leser. Aber aus dem abgewandelten Sprichwort Manzonis wurde die literarsiche Gesellschaft, die das Erbe und das Andenken von Giovannino Guareschi aufrecht erhält: Der Club der 23, auf Italienisch "Club dei venti-tre". Der Hauptsitz dieses Clubs ist in Roncole-Verdi.
|
|
|
Auf diesem Bild sieht man eigentlich das ganze Dorf Roncole-Verdi. Sehr viel mehr ist da nicht. Links vorn im Bild das Geburtshaus des Komponisten Guiseppe Verdi, dahinter gleich das Restaurant der Guareschis. Im gleichen Haus befindet sich auch eine kleine Ausstellung zu Don Camillo und Peppone sowie dem Leben unseres Autors. Roncole-Verdi soll Brescello um seine Berühmtheit neiden. So jedenfalls wird es gern koloportiert. Ob das tatsächlich stimmt, kann ich nicht beurteilen. Doch die Bewohner haben mindestens die gleichen dicken Köpfe. Der österreichische Autor und Journalist Dietmar Gareser, der den Ort in den 70er Jahren besuchte, fragte nach dem Weg zum Guareschi-Museum. Er bekam zur Antwort: "An der Ampel links!" Darauf er: "Aber da ist doch gar keine Ampel!" - "Nein, aber wir wollen, dass da endlich eine hinkommt!"
|
|
Das ist der Eingang zum Club dei 23. Das Haus ist von Guareschi selbst gekauft worden und wurde von ihm als schriftstellerische Basis benutzt, später als Restaurant und nun beherrbergt es eine kleine Dauerausstellung zu seinem Leben. Gleich im Innenhof kann man etwas entdecken, dass einem an die Geschichten von Don Camillo und Peppone erinnert. Dort gibt es nämlich einen gewaltigen Weinstock, dessen Wurzeln aber hinter den Mauern des Anbaus liegen. Weinstöcke sind für die Bauern der Bassa wie Kinder und man schneidet sie nicht ab. Auch nicht, wenn man ein Haus baut. Und so existiert dieser uralte Weinstock immer noch. Da bekommt die Weigerung des Cagniola, gleich mehrere seiner Weinstöcke für den neuen Damm zu opfern, eine neue Dimension, oder nicht?
|
![]() |
|
Ein Blick in die Ausstellungsräume des Club dei 23. Die meisten
Ausstellungsstücke sind Schautafeln und Bilder aus dem Leben Giovannino
Guareschis. Auch einige seltene Exemplare seiner Bücher sind hier
ausgestellt, z.B. die japanische Ausgabe von "Don Camillo". Die
Geschichten aus der Bassa sind in fast jedem Land der Erde erschienen,
aber bis heute nicht China, wo Guareschi immer noch als
"reaktionär" gilt. Rote Spinner gibt es also nicht nur bei uns
in Deutschland.
Der Club dei 23 ist fast immer geöffnet. Er hat zwar keine festen Öffnungszeiten, aber meist ist entweder Alberto oder Carlotta Guareschi anwesend. Die beiden freuen sich über Interesse an ihrem Vater und bieten je nach Zeit eine kleine Führung an. Es lohnt sich auf jeden Fall, vorbei zu schauen.
|
|
Unweit seines Wohnhauses ist Giovannino Guareschi beerdigt. Das Grab ist leicht zu finden. Auf dem kleinen Dorffriedhof liegt es kurz hinter dem Haupteingang zur linken Hand. So hat man auch heute noch Gelegnheit, dem großen Autoren der Bassa seine Aufwartung zu machen. |
|
|
Die Webpräsenz des Club dei 23 findet sich hier.
|
|