DIE DON-CAMILLO-BÜCHER
Hinweis: Die folgenden Bücher sind zum großen Teil über den Buchhandel zu beziehen. Die Titel können jedoch drastisch voneinander abweichen. Bitte lest die Beschreibungen zu den jeweiligen Titeln. Bitte schickt mir keine Emails, in denen ich gefragt werde, woher die Bücher bezogen werden können. Bitte auch keine Emails, ob ich meine Exemplare verleihe oder daraus Kopien anfertigen kann.
|
Die beiden Klassiker
|
|
|
Weihnachten 1946. Nach eigener Darstellung will Giovannino Guareschi für ein "kleines Blatt", das er neben dem "Candido", seiner Hauptzeitung, betreut, eine Geschichte um einen streitbaren Pfarrer schreiben, der heimlich vom kommunistischen Bürgermeister verprügelt wird. Da Guareschi für den "Candido" jedoch nichts einfällt, kommt die Geschichte "Die Beichte", jetzt erweitert um die Intervention Jesu und einem saftigen Fußtritt, in die große Zeitung. Und damit findet sie auch ein entsprechendes Publikum. Man ruft nach mehr Geschichten um Don Camillo, dem Priester mit den Riesenfäusten und dem Genossen Guiseppe Bottazzi. Guareschi schreibt weitere Episoden und schafft nach und nach einen ganzen Kosmos. Der Verleger Rizzoli wird auf die Geschichten aufmerksam und bittet Guareschi, diese in einem Band zusammen zu bringen. Erst in Italien, dann in Österreich und schließlich in Deutschland und der ganzen Welt werden die beiden Figuren berühmt. Und nicht nur sie. Das längere Vorwort, in dem Guareschi die Eigenschaften der Landschaft, der Personen und der Umstände der "Bassa" schildert, wird zu einer gelungenen Chrakterstudie. Von Anfang an dabei sind die berühmten "Engelchen und Teufelchen" Zeichnungen des Autors. Die deutsche Ausgabe enthält außerdem einige schöne Tuschezeichnungen, die deswegen so interessant sind, weil sie vor der Verfilmung mit Fernandel und Gino Cervi einen ganz anderen Don Camillo zeigen. |
|
Nach dem Welterfolg von "Don Camillo und Peppone" musste ein zweites Buch folgen. "Don Camillo und seine Herde" bringt weitere Episoden aus dem kleinen Dorf in der Bassa. Die Geschichten sind keineswegs abgenutzt, wie es bei Fortsetzungen oft der Fall ist. In diesen beiden Büchern findet man alle klassischen Geschichten und den ganzen Grundstock der späteren Episoden. Ob es die Taufe von Peppones Sohn ist, das Glockengeläut zur Wahlrede, die Korrektur der Verlautbarungen durch die alte Lehrerin, die Beerdigung mit der Königsflagge, der Panzer, der Dammbruch usw usw Aber auch Geschichten, die für die Filme zu brisant waren. "Die Angst" z.B., in der ein radikaler Roter Don Camillo ermorden will und Peppones Bande zum Leibwächter des Priesters wird. Oder die Jagdepisoden, in denen Don Camillo mehr oder weniger zum Wilderer wird. Oder die Weihnachtsepisoden. Oder wenn die Geister der Bassa ins Spiel kommen. Bis heute sind diese Episoden nicht verfilmt. Gott sei Dank! möchte man da ausrufen, denn so hat man ein doppeltes Lesevergnügen. Und der Gedanke, dass vielleicht ein Terence Hill sich an diesen Episoden vergangen haben könnte, lässt mich erschauern. Wer nur zwei Bücher von Giovannino Guareschi lesen will, der sollte diese beiden nehmen. Sie gehören in der Tat zur Weltliteratur. (Ganz im Gegenteil zu dem copy&paste Dreck von heute!)
|
|
Die beiden Romane
|
|
|
GENOSSE DON CAMILLO
In "Genosse Don Camillo" (z.B. enthalten in dem Sonderband "Avanti, Don Camillo! Avanti!") verlassen wir zum ersten Mal die "Kleine Welt". Das Buch erschien, wie aus dem Lebenslauf von Giovannino Guareschi ersichtlich ist, zu einer Zeit, als der Stern des Autors im Sinken war. Das Buch ist keine Sammlung von in sich abgeschlossenen Episoden, sondern eine durchgehende Geschichte: Es ist die Zeit des kalten Krieges. Die Genossen von Peppone werden eingeladen, die wunderbare Sowjetunion zu besuchen. Durch eine List schleicht sich Don Camillo in die Gruppe und agitiert inkognito als "Genosse Tarroci" gegen den Kommunismus. Ein strammer Genosse nach dem anderen bricht unter "Don Tarrocis" Agitation aus der Partei aus. Sei es, weil der Glaube unterdrückt wird, sei es, weil die italienischen Kriegsgefangenen nicht aus Russland zurück kamen, sei es, weil man als emilianischer Bauer nicht enteignet werden will oder oder oder... Weit davon entfernt, die Klamotte zu sein, die die Verfilmung "Genosse Don Camillo" ist, wirkt das Buch durch einen genialen Kniff Guareschis. Don Camillo wird scheinbar zum "Superkommunisten". Doch was ist der Kommunismus in seiner letzten Ausprägung? Ein menschenverachtendes System ohne den Trost Gottes! Wer sich also heute als "Links" bezeichnet, den kann ich nur verachten.
|
|
Die moderne Zeit bricht an und kommt auch in das kleine Dorf des Don Camillo. Nichts ist mehr so, wie es war. Peppone, alt und dick geworden, sieht sich plötzlich der Fraktion der "Chinesen" gegenüber, einer Bande von Maoisten, die den alten Genossen das Leben schwer machen. Don Camillos Freude währt jedoch nicht lange. Man schickt ihm aus Rom einen Pfarrer namens "Don Chichi", der "den alten Filz" aus der Kirche entfernen will. Mit Entsetzen sieht Don Camillo, wie das Kruzifix auf den Müll geworfen wird und Don Chichi von der Kanzel linksradikale Parolen verkündet. Dann kommt noch Don Camillos Nichte "Cat" ins Spiel. Sie ist nicht nur rothaarig, sondern auch hinterhältig und durchtrieben. Gleich zwei Rockerbanden fallen wegen ihr ins Dorf ein. Zum Schluss jedoch ist alles wieder "langberockt und kurzbehaart", wie es in einer zeitgenössischen Kritik heißt. Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nicht besonders mag. Die Motivation von Cat und ihrem männlichen Gegenpart, Veleno, erscheint widersinnig. Don Camillo und Peppone wirkten hilflos und demontiert. Die beiden haben im Krieg Maschinengewehren getrotzt und lassen sich jetzt von halbwüchsigen Rotznasen vorführen? Das Ende des Romans empfinde ich immer noch als aufgesetzt und glaube, es ist Guareschis Beschwörung der "guten alten Zeit". Nur Jesus ist nach wie vor der weise Ratgeber. |
| Die Sammlungen | |
|
Wie viele Don-Camillo-Geschichten gibt es eigentlich? Schätzt mal. 346! Zwischen 1946 und 1968 erschienen diese in verschiedenen Zeitschriften, Büchern und Publikationen. Aber dem deutschen Publikum blieben die meisten vor enthalten. Was in "Don Camillo und Peppone" sowie in "Don Camillo und seine Herde" und in den beiden großen Romanen erschien, war nur eine Auswahl. Erst nach dem Tod Guareschi wurde ein Großteil der verbleibenden Geschichten in Sammlungen veröffentlich. Wer beinah alle Geschichten der beiden Streithähne kennen will, der braucht eigentlich nur die hier aufgeführten Bücher zu kaufen. In diesen Sammlungen, die im Deutschen die Titel "... Don Camillo..." tragen, sind noch einmal alle die Geschichten veröffentlicht, die nicht in den oben genannten Romanen enthalten sind. Es sind übrigens keine "schlechten" Geschichten. Hier erleben wir Don Camillo und Peppone in Höchstform. Es sind Geschichten, die es aus ganz offensichtlichen Gründen nicht in die Filme geschafft haben, die ich aber unbedingt empfehle. |
|
|
Da gibt es die Geschichte eines fanatischen Kommunisten, der sich nach dem Krieg an einer Familie von Faschisten rächen will. Die Familie aber ist längst geflohen. Nur die gelähmte und halb blinde Urahnin ist im Haus zurück geblieben. Der Kommunist tötet sie ohne Zögern mit seiner Maschinenpistole. Als einziger Zeuge ist die Katze dabei gewesen. Und diese schwarze Katze verfolgt den Kommunisten nun durch sein Leben. Als das Einzige, was der Kommunist je geliebt hat, sein kleiner Sohn, auf der Straße spielt, verurusacht die Katze einen Autounfall, bei dem ein Lastwagen das Kind überfährt. Aus Gram tötet sich die Ehefrau des Kommunisten, aber nicht, ohne vorher die Katze gefüttert zu haben. Im Beichtstuhl bedroht der Kommunist schließlich Don Camillo mit einer Waffe, ihn von den Sünden los zu sprechen. Don Camillo weigert sich, trotz der Todesgefahr, in der er sich befindet. Als der Kommunist halb wahnsinnig auf den Dorfplatz hinaus läuft, folgt ihm die Katze und - das jagt Don Camillo einen Schauer über den Rücken - sie wird auch auf dem Grabstein des Kommunisten sitzen. Das ist sicherlich kein Stoff für die sonst so heiteren Filme. Aber diese Geschichte zeigt die Schreibgewalt Guareschis. |
|
Noch ein Beispiel? Wisst ihr, woher der Nebel der Bassa kommt? Nun, es war einmal ein alter, geiziger Müller. Der hatte eine von diesen Mühlen, die auf dem großen Fluss fahren, weil sie auf einem Floß gebaut wurden. Aber er betrog die armen Bauern. Und als er starb, wurde er verflucht. Jetzt fährt er weiter mit seiner Mühle über den großen Fluss. Und wenn er an Land geht, kratzt er mit seinen Fingernägeln die kaum gesäten Körner aus der Erde, mahlt sie in seiner Mühle und bläst sie in die Luft. Das ist der Nebel der Bassa. Und der Grund für eine schlechte Ernte. Diese und noch mehr Geschichten finden sich in den hier beschriebenen Büchern. Wie ihr seht, ist es doch ratsam, nicht nur die Filme zu sehen, sondern auch zu lesen. |
|
Der deutsche Titel "Grazie, Don Camillo. Neue Geschichten" beschreibt eigentlich das "Jahr des Don Camillo", wenn allerdings auch nur der Winter und der Frühling gemeint sind. Sind dies eigentlich alle Geschichten von Don Camillo? Vermutlich nicht. Ich entdecke jedesmal neue. Da ist z.B. die Geschichte, die eine Fortsetzung zum berühmten Fußballspiel ist. Jetzt fordert eine Mannschaft aus einem Nachbardorf das Dorf des Don Camillo heraus. Wer darf das Dorf nun vertreten? Don Camillos Mannschaft? Peppones Mannschaft? Eine Auswahl? Und dann gibt es die Geschichte, in der Don Camillo und Peppone ins Kino gehen. Sie sehen den Film eines französischen Regisseurs, der einen Geschichte über einen Priester und einen kommunisten Bürgermeister verfilmt hat... Na sowas! |